Zwangsarbeiter - Sklaven
für die Kriegswirtschaft

     
Von Christel Patzak
 
 
Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland mehr als drei Millionen Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen in der deutschen Rüstungsindustrie und Wirtschaft eingesetzt.

Auch in Elmshorn hielten fast alle Betriebe mit dem Einsatz von „Fremdarbeiterinnen und Fremdarbeitern‘ wie sie in der Sprache der Nazis genannt wurden, ihre Produktion aufrecht. Andere schönfärbende Bezeichnungen für Zwangsarbeiterinnen waren: „Wanderarbeiterin“ oder „Zivilarbeiterin“.
Mehr als 2100 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, darunter Kinder und Kriegsgefangene, hielten sich im Laufe des Krieges hier in Elmshorn auf. 560 von ihnen waren Frauen, also rund 26 Prozent. Die Frauen aus Polen und den „Ostländern“ (Russland, Ukraine und Litauen) stellten innerhalb der Gesamtzahl aller Zwangsarbeiterinnen, wie bei den Männern auch, den größten Anteil. Fast die Hälfte der „Fremdvölkischen“ in Elmshorn war unter einundzwanzig Jahre alt, und der Anteil derjenigen zwischen 16 und 18 Jahren betrug 20 Prozent.
Ohne die „Sklavenarbeit“ der ausländischen Arbeitskräfte wäre die deutsche Wirtschaft im Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich vielerorts zusammengebrochen. 1942 war in der Rüstungsindustrie bereits jede vierte Arbeitskraft ausländischer Herkunft. Der „Ausländereinsatz“ sollte den deutschen „Herrenmenschen“ zum „Endsieg“ verhelfen und war bereits vor dem Krieg geplant.
Nach der NS-Rassenideologie standen die Deutschen an oberer Stelle, die ausländischen Menschen unten und ganz unten rangierten die Russen und Polen als Angehörige minderwertiger Ostvölker Die erste Etappe für den „Endsieg“ war Hitlers Überfall auf Polen am 1. September 1939. Mit dem „Polenfeldzug“ sollte zum einen die Lebensmittelversorgung der deutschen Bevölkerung sichergestellt werden, und zum anderen sollte der Mangel an Arbeitskräften im Deutschen Reich durch die in Polen „zu schöpfenden Arbeitskräfte ausgeglichen werden. Aufgrund der erhöhten Rüstungsproduktion und der Einberufung deutscher Arbeitskräfte zur Wehrmacht waren erhebliche Lücken gerade in der landwirtschaftlichen Erzeugung entstanden.

Die Einführung der Arbeitspflicht.
Das erste deutsche Arbeitsamt in Polen, deren Errichtung Voraussetzung für die Ausnutzung der Arbeitskraft des polnischen Volkes war; hatte man bereits am dritten Kriegstag in Rybnik/Oberschlesien eingerichtet. Mitte Oktober 1939 existierten bereits 115 Ämter im besetzten Polen und alle im Alter vom 18. bis zum 60. Lebensjahr Unterlagen einer „öffentlichen Arbeitspflicht“ Zwei Monate später er folgte eine Ausdehnung der Arbeitspflicht auf Jugendliche ab 14 Jahren. Zu ihrer Durchsetzung erschienen zahlreiche Aufrufe an die polnische Bevölkerung, in denen es beispielsweise hieß:

„Pflicht, sich auf Aufforderung durch die Arbeitsämter und Gemeinden für die Landarbeit nach Deutschland zur Verfügung zu stellen. (..) Wer nach einer solchen Aufforderung durch die Behörden versucht, sich dieser Arbeitspflicht zu entziehen, wird schwer bestraft. Die Polizei wird dafür sorgen, daß es keinem gelingt, sich der Arbeit zu entziehen.“ Einige meldeten sich nach diesen Auf rufen „freiwillig“, andere versuchten sich

 

 


Tafel zur Zwangsarbeit in Elmshorn am Langeloher Hof

Industriemuseum Elmshorn ...Stadtrundgang NS Tafeln
Texte der Tafeln vom Stadtrundgang - ..."Tafeln zum Nationalsozialismus"

der Arbeitspflicht zu entziehen. Daher erfolgte die Beschaffung der polnischen Arbeitskräfte zunehmend mit Gewalt.

Auch in Elmshorn wurden in fast allen Betrieben - nicht nur in den Rüstungsbetrieben D.W. Kremer Werft, Gebr. Neunert, Atlas-Werke und Marinearsenal - „Fremdarbeiter“ und „Fremdarbeiterinnen“ eingesetzt.

Wie die namentlichen Listen, die nach dem Ende des Krieges für die Alliierten erstellt werden mussten, zwecks Registrierung aller im Ort befindlichen „displaced persons“ (DP) zeigen, kamen sie aus folgenden Herkunftsländern: Italien, Estland, Lettland, Serbien, Litauen, Polen, Tschechoslowakei, Ukraine, Russland, Schweiz, Frankreich, Niederlande, Dänemark, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Griechenland.

Der größte Teil der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, nämlich zwei Drittel, kam aus Polen, Russland und der Ukraine. Die Polen mußten ein diskriminierendes „P“ sichtbar an der Kleidung tragen, die Russinnen und die Ukrainerinnen ein „Ost“.

Am 25. April 1940 traf der erste größere „Transport Polen (18o Mann)“, wie es in einem Vermerk des Bürgermeisters hieß, in Elmshorn ein. Einen Monat später folgte ein weiterer „Transport“ mit 300 polnischen Menschen. Die Verteilung und Anforderung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbei-ter veranlasste das Arbeitsamt vor Ort.

Die Unterbringung erfolgte in Elmshorn folgenden Lagern:

1. Lager Köhler, Johannesstraße 35
2. Lager Gebr. Rostock, Schulstraße 24
3. Lager Pfahlkrug, Papenhöhe
4. Russenlager Bockelpromenade I
5. Russenlager Bockelpromenade II
Lager Marinearsenal, Deichstraße
7. Lager Kremer Schiffswerft
8. Lager Horstmann, Langelohe 65
9. Lager Dölling, Sandberg 11
10. Ausländerlager Rostock, Reichenstraße
11. Ausländerlager I Rostock, Reichenstraße (Kgf)
12. Polenlager, Langelohe 61
13. Lager Beuck, Gärtnerstraße 30
14. Lager Wilhelm Bull, Gerlingweg 13
15. Gemeinschaftslager Schönaich-Carolath-Straße
16. RaD. Lager, Stubbenhuk
17. Timm & Co., Papenhöhe 29
18. Lager Opferarbeiterplatz
19. Lager Högplacken, Plinkstraße 29
20. Gemeinschaftslager Gerlingweg 85
21. Lager Steindamm
22. Lager Klosterhof
23. Lager Turnerheim.

(Der vollständige Beitrag ist abgedruckt in: “Frauenleben in Elmshorn”; Beiträge zur Elmshorner Geschichte, Band 11, Seiten 132ff; Elmshorn 1998)

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