Opfer unter den Kämpfern im Spanischen Bürgerkrieg
No pasarán – Elmshorner im Spanischen
Bürgerkrieg 1936-1939

     
Von Cathrin Moor
 
 
Zu Beginn der Dreißiger Jahre des vergan-genen Jahrhunderts stand der europäische Kontinent politisch wie gesellschaftlich vor großen Problemen. Die Nachwirkungen der
Weltwirtschaftskrise 1929 waren noch immer zu spüren, die Unterschiede zwischen Arm und Reich deutlich sichtbar und in der Kritik wie selten zuvor und in Italien und Deutschland
waren mit Benito Mussolini und Adolf Hitler
totalitäre Herrscher faschistischer Regime an die Macht gelangt, die durch Terror, Verfolgung und Unterdrückung alle demokratischen Strukturen in den beiden Staaten ausschalteten
.
Auch in Spanien gehörten die Dreißiger Jahre zu den konfliktreichsten Perioden der neueren Geschichte des Landes. Die vom Agrarwesen abhängige Landbevölkerung waren ebenso wie die Menschen in den industriell entwickelten Gebieten permanent bedroht von einem möglichen Verdienstausfall, da die Folgen der Wirtschaftskrise weiterhin in fehlenden Auslandsinvestitionen spürbar waren. Die Regierung der noch jungen 1931 gegründeten Zweiten Spanischen Republik schaffte es nicht, die riesigen Problem zeitnah zu bewältigen und so legte sich die Begeisterung für die in Spanien neue Staatsform.

Die unterschiedlichen Interessengruppen formierten sich zu Widerstandsbewegungen und formulierten Forderungen: Die zumeist unter ärmlichen Verhältnissen lebenden Land- und Industriearbeiter strebten weitere radikale
gesellschaftliche Umbrüche an, sodass kommunistische und anarchistische Verbände großen Zulauf erhielten. Die als Verfechterin und Mitverursacherin der Inquisition geächtete katholische Kirche weigerte sich, ihre kulturelle Vormachtstellung wie auch ihre wirtschaftliche Position dem Staat unterzuordnen. Im Baskenland und in Katalonien wurden die Rufe nach Unabhängigkeit lauter und die spanische Armee entglitt immer mehr der Regierungskontrolle. Nach mehreren Putschversuchen in den Jahren 1932 und 1934, Mordanschlägen auf Politiker und Wahlen 1935/1936, in deren Folge sich radikal rechte und linke Front-Bündnisse gegenüberstanden, eskalierte die Gewalt. Paramilitärische Truppen unterstützten die Machtbestrebungen der Putschisten unter den Generälen Mola, Queopo de Llano und Franco, Verbände aus Arbeitern und kommunistischen oder anarchistischen Gruppen wehrten sich gegen die Übernahme der Macht durch das Militär.

In Spanien trafen 1936 die verschiedenen in Europa vertretenden Ideologien und Gesellschaftsvorstellungen gewaltsam aufeinander. Die sofortige internationale Bereitschaft, den jeweiligen Seiten Unterstützung zukommen zu lassen, war aber nicht nur Ausdruck politischer Überzeugung,  sondern insbesondere das Deutschen Reich probte im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten General Francos seine Waffen für den, wie man heute weiß, Zweiten Weltkrieg. Bekanntestes Beispiel hierfür ist die Bombardierung der Stadt Guernica am 26. April 1937 durch die Legion Condor.

Die Regierungstruppen erhielten Unterstützung von Freiwilligen aus ganz Europa, die bereits im Herbst 1936 begannen, nach Spanien zu reisen, um zu kämpfen. Diese Internationalen Brigaden bestanden aus überzeugten Kommunisten, Anarchisten, Sozialisten und Antifaschisten. Die größte Gruppe der insgesamt etwa 60 000 Freiwilligen kam aus Frankreich, doch auch knapp 5 000 Deutsche reihten sich in die Bataillone ein. Anfangs kämpften die ausländischen Freiwilligen in unorganisiert zusammengestellten Verbänden, später in den internationalen Brigaden. Die "Internationalen" wurden zu einer Elitetruppe, die unter hohen Verlusten an allen Schlachten des spanischen Bürgerkriegs teilnahm.  Ausgebildet und ausgerüstet wurden die Brigaden von der Kommunisten Internationalen und der UdSSR, doch war eines der größten Probleme der Mangel an Waffen und sonstiger Ausrüstung.

Auch viele Frauen schlossen sich im Laufe des Krieges den Internationalen Brigaden an: Nicht nur, um in Lazaretten als Krankenschwestern die Verletzten zu pflegen, sondern auch als Beteiligte an Kampfhandlungen. Sie trieben entgegen verbreiteter Darstellungen die gleichen Motive an, wie die beteiligten Männer, weshalb eine Reduzierung auf die Rolle als Begleitung der Männer damals wie heute als unangemessen betrachtet werden darf.

 

 

Der Einsatz der Internationalen Brigaden litt aber auch unter der ideologischen aufgeheizten Stimmung intern und europaweit. So gab es gegenseitige Anfeindungen aufgrund der politischen Positionierungen, teilweise sogar Verrat an die Truppen Francos  Diese Verfolgung der eigenen Mitkämpfer setzte sich insbesondere in der Sowjetunion auch nach Ende des Spanischen Bürgerkrieges noch fort. Menschen, die in Spanien freiwillig gegen den Faschismus kämpft hatten, fielen so genannten „stalinistischen Säuberungen“ zum Opfer, weil sie vermeintlich nicht „linientreu“ genug waren, zu kritisch, oder nicht „kommunistisch im Sinne der KPdSU“.

Das Ende des Bürgerkrieges zeichnete sich im Laufe des Jahres 1938 anhand der häufiger werdenden Siege durch Francos Armee ab. Im Herbst 1938 wurde der Abzug aller ausländischen Truppen aus Spanien vom Völkerbund gefordert, um den Krieg wieder auf einen innerspanischen Konflikt zu begrenzen. Deutschland und Italien ignorierten diese Aufforderung, aber die Regierung der spanischen Republik schickte ihre internationalen Unterstützer zurück in ihre Heimatländer. Nur die etwa 2 000 Brigadisten, die aus Angst vor politischer Verfolgung nicht zurück konnten, verblieben in Spanien und kämpften weiter um den Erhalt des republikanischen Gebiets in Katalonien.

Die schlechte Ausbildung und Ausrüstung der Internationalen Brigaden, die moderne Bewaffnung des Militärs mit deutschen und italienischen Waffen sowie die Nichteinmischungspolitik Großbritanniens und Frankreichs führten schließlich zum Sieg der Francisten.Die verblieben Kämpfer verließen Spanien 1939 in Richtung Frankreich. Viele wurden dort interniert und an die Gestapo verraten.

In Spanien gelangte General Franco in die Position des Staatschefs. Er behielt die Macht
in dem von ihm 1946 proklamierten Königreich
Spanien bis zu seinem Tode 1975. Die anfängliche Isolation Spaniens durch die Verweigerung Großbritanniens und der USA zu zwischenstaatlichen Beziehungen, überbrückte Franco mit Beziehungen zu Argentinien und zur arabischen Welt. Doch bereits in den 50er Jahren wurde die Isolierung des franquistischen Regimes aufgegeben: Spanien wurde für den Bau von US -Militärbasen gebraucht. Trotz der Vergangenheit entwickelte sich Francos Spanien zu einem Urlaubsland und profitierte vom Wirtschaftsaufschwung der 1960er und 70er.

Die Aufarbeitung der Geschichte des Spanischen Bürgerkrieges ließ auch nach Ende der Diktatur Francos noch etwa 30 Jahre auf sich warten, so dass erst in den vergangen 10 Jahren sich die Bücher, Dissertationen und Forschungsarbeiten insbesondere in Spanien zu diesem Thema mehren. Auch die geschichtliche Auseinandersetzung in Deutschland findet erst seit kurzer Zeit in der gebotenen Objektivität, ohne antikommunistische oder blind-verehrende Verklärung, statt. Es bleibt zu offen, dass der Spanische Bürgerkrieg als Lehre und Mahnung künftig mehr Beachtung in der öffentlichen Diskussion erfährt.

Quellen:
Bernecker – Spaniens Geschichte seit dem
Bürgerkrieg, München 1997;
Bernecker/Pietschmann – Geschichte Spaniens, Stuttgart 1993;
Collado Seidel - Der Spanische Bürgerkrieg: Geschichte eines europäischen Konflikts, München 2006; http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/aussenpolit
ik/brigaden/index.html
Hülsen/Marnau/Pusch/Schaumann - Schleswig-Holsteiner im Spanischen Bürgerkrieg, „Gegenwind“ Oktober 1996;
Lugschitz, Renée - Spanienkämpferinnen:
Ausländische Frauen im spanischen Bürgerkrieg 1936-1939, Münster 2012;
Rosa-Luxemburg-Bildungswerk Hamburg e.V.
(Hrsg.) - Hamburger Skripte 14: Mythen über die Internationalen Brigaden, Hamburg 2006;

 

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