Ausgegrenzt, vertrieben,
ermordet!
Die rassistische Verfolgung von
Sinti und Roma

     
Von Gisela Hansen
 
 
Als Sinti oder Roma bezeichnet man eine aus Indien stammende, seit dem Mittelalter in Europa lebende Minderheit mit einer eigenen Sprache und eigenen kulturellen Besonderheiten.


Sinti und Roma Kinder

In Deutschland hat sich für die Menschen, deren Vorfahren seit langem in dem deutschsprachigen Gebiet ansässig waren, die Bezeichnung „Sinti“ durchgesetzt . Den von der übrigen Bevölkerung früher verwendeten Begriff „Zigeuner“ lehnen die meisten Sinti und Roma als diskriminierend ab.


Sinti - Foto aus Gedenkbuch Wuppertal

Sinti sind seit Ende des 14. Jahrhunderts in Deutschland nachgewiesen worden. Sie waren  von Anfang an massiver Verfolgung ausgesetzt, wurden für vogelfrei erklärt, enteignet und außer Landes getrieben. Durch Sprachverbote, Zwangsehen mit "Nicht-Zigeunern“ und Wegnahme der Kinder sollten sie zur Assimilation an die Mehrheits-bevölkerung gezwungen werden. Die reisende Lebensform, an die sie gewöhnt waren, erleichterte ihnen die Flucht und damit das Überleben. Entgegen dem Klischee sind heute die meisten Sinti und Roma sesshaft.


Sinti mit Pferd und Planwagen
 

 

 

Schon bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden viele Sinti und Roma aus Deutschland und später auch aus Österreich in Konzentrationslager verschleppt.


Roma im Lager Bełżec, 1940

Im Herbst 1938 begann in der Verantwortung des „Reichsführers SS und Chefs der deutschen Polizei“ Heinrich Himmler die zentrale Erfassung dieser Minderheit mit dem Ziel ihrer Vernichtung. Von den 40 000 durch die Nationalsozialisten registrierten deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden 25 000 ermordet, vor allem durch Vergasung, aber z. B. auch durch medizinische Experimente.


Roma und Sinti Lager in Ghetto Lodz

In den im Krieg besetzten Gebieten wurden nach Schätzungen weitere 500 000 Menschen umgebracht – durch Massenerschießungen oder durch Vergasung in den Vernichtungslagern.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten Sinti und Roma jahrzehntelang um ihre Anerkennung als NS-Opfer kämpfen. Die Behördenvertreter, mit denen sie es zu tun hatten, waren teilweise dieselben, denen sie ihre Erfassung und Deportation verdankten. Bis zu einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Jahr 1963 vertraten Behörden und Gerichte die Auffassung, dass es sich bei der KZ-Haft von Sinti und Roma nicht um rassistische Verfolgung, sondern um eine Maßnahme der vorbeugenden Verbrechensbekämpfung gehandelt habe.
Das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma wurde nach langwierigen Auseinander-setzungen am 24. 10. 2012 in Berlin eingeweiht

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