"Euthanasie" - der Mord an
"Kranken und Behinderten

     
Von Renate Blask, Angelika Busse, Giesela Hansen, Käthe Hartung und Dirk Maier
 
 
Psychisch kranke, körperbehinderte und geistig behinderte Menschen wurden während der Hitler-Diktatur als „lebensunwert“ bezeichnet und aus „rassehygienischen Gründen“ systematisch verfolgt, zwangssterilisiert und/oder umgebracht.

1934 trat das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ in Kraft. In Schleswig-Holstein stellten Amtsärzte der Kreisgesundheitsämter Anträge auf Unfruchtbarmachung vor einem der vier neu eingerichteten „Erbgesundheitsgerichte“ (in Lübeck, Flensburg, Altona oder Kiel). Die Zwangseingriffe wurden dann in einer der 44 chirurgischen und gynäkologischen Kliniken in Schleswig-Holstein durchgeführt.

Von 1934 bis 1940 wurden in Schleswig-Holstein 4.400 Psychiatriepatienten und behinderte Menschen zwangssterilisiert; ab 1939 gab es einen Rückgang der Sterilisationen, da die Ärzte und Einrichtungen nun für die Versorgung von Soldaten, der Zivilbevölkerung, aber auch zur Tötung (Euthanasie) der als „Erbkranken“ bezeichneten Menschen eingesetzt wurden.
1939 - nach in Krafttreten des Euthanasie-Ermächtigungsschreibens von Hitler - begann der systematische Massenmord an psychisch Kranken und geistig oder körperbehinderten Menschen (sogenannte “Aktion T4” - nach dem Sitz der zuständigen Dienststelle in der Berliner Tiergartenstraße 4). Dies geschah anfangs in psychiatrischen Anstalten, z.B. durch systematische Vernachlässigung der Patienten, medizinische Versuche, Unterlassen medizinischer Hilfeleistung, Verabreichen von tödlich wirkender Medizin (Luminal) oder Giftspritzen.

Ab 1940 fand das Massenmorden dann auch in den Gaskammern von Brandenburg, Bernburg, Grafeneck, Hadamar oder Prina statt, wohin die Opfer verlegt wurden.
 
 


Reichsgesetzblatt vom 25. Juli 1933 mit der Verkündung des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses".
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Zwischen 1939 und 1945 wurden in Schleswig-Holstein mehr als 2000 psychisch kranke Menschen aus psychiatrischen Kliniken wie Rickling, Neustadt, Schleswig-Hesterberg und Lübeck-Strecknitz in Vernichtungslager abtransportiert und dort ermordet.

Den Verwandten wurden als Todesursache
TBC oder andere Erkrankungen genannt, der Mord auf diese Weise vertuscht. Auf Wunsch konnten sich die Angehörigen die Urne mit der Asche des/der Verstorbenen zusenden lassen.

Die AG Stolpersteine sucht Namen weiterer Elmshorner Opfer.


Quelle: http://www.landesarchiv-bw.de/

     
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 www.stolpersteine-elmshorn.de