Grußwort der IG-Metall

     
Erinnerung ist ein umkämpftes Terrain. Mit ihr wird Politik gemacht. Überall auf der Welt. Auch in Elmshorn. Mit der Aktion “Stolpersteine” - die aktiv von den Gewerkschaften des DGB und insbesondere meiner Gewerkschaft, der IG Metall, gemeinsam mit vielen anderen unterstützt wird – wollen wir konkret über die Kapitel und Personen stolpern, die Opfer des verbrecherischen Regimes des nationalsozialistischen Terrors waren – nicht irgendwo, sondern hier gerade in Elmshorn. Wir treten sie nicht im Straßenschmutz mit Füßen, sondern heben sie hervor, verharren in Erinnerung an die Verbrechen und werden gewarnt vor denen, die in der Mitte unserer Gesellschaft Faschismus und rassistische Ausgrenzung wieder gesellschaftsfähig machen und mit einer Doppelstrategie in Bezug auf die “soziale Frage” und militanten Terror würdige Nachfolger der nationalsozialistischen Verbrecher sind.
 
 

In Elmshorn stolpern wir nicht nur über die ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die von den Nazis in der Shoa umgebracht wurden, und über die jenigen aus den Kreisen der politischen Parteien, insbesondere aus der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Wir stolpern und erinnern uns auch an diejenigen, die aktiven Widerstand leisteten, erwähnt seien hier nur Peter Hasenberg (KPD) und Heinrich Hauschildt (SPD), als Beispiele für die vielen Namenlosen, die gegen das faschistische Regime Widerstand leisteten und eben nicht schwiegen, wie viele. Wir stolpern in Elmshorn auch über einen einmaligen Vorgang auf dem Gebiet der Westzonen, der Selbstbefreiung der Stadt Elmshorn durch den antifaschistischen Gewerkschaftsausschuss und den antifaschistischen Ordnungsdienst, die die Krückaustadt vor dem Einrücken der alliierten Truppen zur befreiten Gemeinde erklärten. Wir stolpern über diese antifaschistische Bewegung, die ausnahmslos aus Mitgliedern der alten Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung bestand – die diese Initiative zur Selbstbefreiung unternahm, als die Machtverhältnisse noch nicht im Sinne der demokratischen Erneuerung geklärt waren.
Damit macht Erinnern Mut, auch in auswegloser Situation mit allen Mitteln dem faschistischen Terror nationalsozialistischer Verbrecher zu widerstehen. Mut für die Zukunft.

Aber wir mahnen nicht nur zum Erinnern und zum Selbstzweck. Mitten in unsere Gesellschaft bilden sich wieder neonationalsozialistische Banden, Gruppen und Parteien, die unter dem Deckmantel der sozialen Frage wieder für Rassismus, Antisemitismus, Vernichtung der Gewerkschaften eintreten.

  Mit der Aktion Stolperstein führen wir die Aktivitäten gegen Rechts gemeinsam weiter gegen Neonazis und NPD- Aufmärsche, Morddrohungen gegen Gewerkschafter und gewählte Bürgermeisterinnen. Vor allem aber setzen wir aktives Erinnern und “Stolpern” gegen Vergessen und Verharmlosung in breiten Teilen unserer Gesellschaft. Niemand ist einfach verschwunden, niemand einfach ausgewandert, sondern es war systematischer faschistischer Terror, ein ausgeklügeltes deutsches Vernichtungssystem. Wenn wir uns daran nicht mehr erinnern, bereiten wir wieder den Weg für Abschaffung der Demokratie, der Gewerkschafts- und Menschenrechte, der Freiheit und der Toleranz für alle.
Wir legen die “Stolpersteine” als aktives Erinnern. An die Selbstbefreiung Elmshorns vom Faschismus, an die, die ermordet und vernichtet wurden, aber auch an die, die Widerstand geleistet haben. Machen wir Historisches nachvollziehbar in der Mitte der Gesellschaft. Mitten unter uns. Weil von dort auch der praktische Widerstand, die Bewegung für „Nie wieder Faschismus” kommen muss. Gestern wie heute git: Keine Toleranz für Neonazis - Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen – Durch solidarisches Miteinander gegen rassistische Ausgrenzung. Dazu wollen wir mit der Aktion „Stolperstein“ auch in Elmshorn beitragen helfen.

Uwe Zabel
1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer IG Metall Verwaltungsstelle Unterelbe/Elmshorn
Ehrenamtlicher Richter am Bundesarbeitsgericht (BAG)


Autor Uwe Zabel (50) ist von Beruf Feinmechaniker und Volljurist sowie ehrenamtliche Richter am Bundesarbeitsgericht. Er war von Angriffen und Mordrohungen militanter Neonazis betroffen und war einer der Mitinititoren und Aktivisten der ersten Stunde des breiten Elmshorner Bündnisses gegen Rechts.

 
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 www.stolpersteine-elmshorn.de