Grußwort der Stadt

     
Am 15. April 2008 verlegt der Künstler Gunter Demnig zum zweiten Mal Stolpersteine zur Erinnerung an Elmshorner Bürgerinnen und Bürger, die während der Zeit des Nationalsozialismus gewaltsam zu Tode kamen.

Ich bin immer noch beeindruckt von der Verlegung der ersten Steine dieser Art in Elmshorn am 14. August 2007. Mit der Verlegung der Steine dort, wo die Verstorbenen ihren letzten freiwillig gewählten Aufenthalt hatten, wird deutlich, dass die Grausamkeit des faschistischen Regimes auch hier vor Ort allgegenwärtig war. Die Verbrechen geschahen nicht irgendwo weit weg, sie begannen hier vor unserer Haustür. Und hier vor unserer Haustür wäre auch Gelegenheit gewesen, sie sich bewusst zu machen. Hier hätte der Widerstand beginnen müssen, hätte Hilfe für die Opfer geleistet werden können und müssen.
 


Wenn es uns gelingt, diesen Bezug zu unserem Leben und Handeln herzustellen, dann werden wir in Gegenwart und Zukunft aufmerksamer sein. Wenn wir begreifen, dass Verbrechen eines Staates auch etwas mit uns, mit unserer Haltung zu tun haben, können wir unsere eigene Verantwortung erkennen und entsprechend handeln.

Besonders beeindruckend an der Verlegung der Stolpersteine im Jahre 2007 aber war für mich, wie viele Angehörige der Opfer bei der Verlegung anwesend waren. Wie viel sie noch erinnern oder aus Erzählungen wissen von dem Leid, dass die Verbrechen der Nazis über ihre Familien brachten. Wie viel Trauer immer noch gegenwärtig ist über Menschen, die völlig unschuldig mitten aus dem Kreis der Familie, der Freunde gerissen wurden und gequält und getötet wurden. Alle, die bei der Verlegung dabei waren, erkannten damit die Menschen, die die Opfer vor ihrer Verhaftung gewesen waren, eben nicht nur Opfer, sondern Väter, Freunde, Brüder, Onkel.

Die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine hat zu einem verstärkten

 
Interesse an den Schicksalen der Menschen aus Elmshorn, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, geführt. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Familienforscher und Geschäftsleute machen sich gemeinsam auf den Weg in das schrecklichste Kapitel unserer Geschichte.

Das ist eine besondere Qualität in unserer Stadt, auf die wir, so denke ich, stolz sein können. Ich bin sicher, dass wir es den Opfern schuldig sind, dass sie nicht vergessen werden. Wir sind es den Opfern und den Überlebenden aber auch schuldig, dafür Sorge zu tragen, dass solche Verbrechen sich nicht wiederholen. Ein Teil unserer Verantwortung für die Zukunft wird sichtbar gerade in der Aktion Stolpersteine.

Ich danke allen, die geforscht haben, allen, die die Patenschaften für die Steine übernommen haben und besonders der Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine für die geleistete Arbeit für unsere Stadt.

Dr. Brigitte Fronzek
Bürgermeisterin

 

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 www.stolpersteine-elmshorn.de